Suchmaschinen als “Gatekeeper” in der öffentlichen Kommunikation

Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) legt Studie zur Regulierung von Suchmaschinen im Internet vor.

Die Studie “Suchmaschinen als Gatekeeper in der öffentlichen Kommunikation” untersucht vor diesem Hintergrund, inwieweit geltendes deutsches Recht die zumindest potentiell gegebene “kommunikative Macht” von Suchmaschinen berücksichtigt. Die von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Auftrag gegebene Studie wurde am 9. Juni 2005 im Rahmen einer Fachtagung in Düsseldorf vorgestellt.

Kartellrecht gilt auch bei Suchmaschinen

Die neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die allgemeinen kartellrechtlichen Regelungen auch auf Suchmaschinen anwendbar seien. Für sog. “Paid-Inclusion” (Aufnahme in den Index der Suchmaschinen gegen Entgeltzahlung) und gesponserte Links ergebe sich eine Pflicht zur Gleichbehandlung. Mögliche Ungleichbehandlungen bei der “normalen” Indexierung und beim Ranking durch marktbeherrschende Unternehmen werden, so die Forscher weiter, von wettbewerbsrechtlichen Regeln gegenwärtig allerdings nicht erfasst. Auch besteht der Untersuchung zufolge derzeit kein Anspruch gegenüber dem marktbeherrschenden Unternehmen, den Index für Konkurrenten zu öffnen und so Wettbewerb zu fördern.

Des Weiteren wurde in dem Gutachten festgestellt, dass medienrechtliche Regelungen zur Verhinderung vorherrschender Meinungsmacht allein an die Veranstaltung von Rundfunk anknüpfen. Die durch Suchmaschinen vermittelte Meinungsmacht kann nur Berücksichtigung finden, wenn ein Unternehmen nicht nur Suchmaschinen-, sondern auch Rundfunkveranstalter ist (§26 Abs. 2 RStV). Soweit Suchmaschinenanbieter Bannerwerbung schalten oder die Positionierung von Links zu Seiten, die kommerziellen Zwecken dienen, von einer Entgeltzahlung abhängig machten, gewährleiste der Mediendienste-Staatsvertrag bereits die notwendige Transparenz, so ein weiteres Ergebnis. Die existierenden Regelungen griffen jedoch nicht, wenn das Ranking bei nichtkommerziellen, etwa politischen, weltanschaulichen oder religiösen Seiten von einer Bezahlung abhängig gemacht werde.

Selbst- und Co-Regulierung bei Suchmaschinen

Ferner eröffnet die von Dr. Wolfgang Schulz, Thorsten Held und Arne Laudien vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung (Hamburg) im LfM-Auftrag durchgeführte Studie Perspektiven zur Debatte um Selbst- und Co-Regulierung bei Suchmaschinen. “Dass sich im Hinblick auf die genannten Problembereiche Defizite ergeben, bedeutet nicht automatisch, dass Regulierungsbedarf besteht. Andere Mechanismen, die den Missbrauch von Handlungsspielräumen begrenzen können, sind aber nur begrenzt wirksam, weil Kriterien der Selektion und des Rankings kaum transparent sind”, sagte Wolfgang Schulz. Ob die verbleibenden Handlungsspielräume gesetzgeberischen Handlungsbedarf auslösen, könne im Gutachten nicht abschließend beurteilt werden.

LfM-Direktor Norbert Schneider sagte: “Die offenkundige Dominanz einzelner Suchmaschinen ist ein brisantes Thema, vor allem weil Nutzer in der Regel bei Recherchen nur auf eine Suchmaschine vertrauen, deren innere Logik sie aber nicht durchschauen.” Angesichts der Bedeutung des Internets für die öffentliche Kommunikation müsse diskutiert werden, ob der Gesetzgeber mit Blick auf Transparenzgebote aktiv werden solle.

Suchmaschinen wegen Anzeigen-Klick-Betrugs verklagt

Insgesamt elf namhafte Internet-Firmen, unter anderem Google, Yahoo und AOL, sind in den USA von Werbetreibenden wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Vermarktung von Online-Anzeigen verklagt
worden. Die Werbekunden werfen den Unternehmen vor, überhöhte Preise für Anzeigenplätze auf Suchergebnis- und Partnerseiten verlangt zu haben. Und das obwohl ihnen bekannt gewesen sein soll, dass die
Klickraten teilweise manipuliert gewesen waren. Weiterhin wird Google und Co in der Klageschrift vorgeworfen, sich untereinander bezüglich der Problematik Klickbetrug abgesprochen zu haben, um diese zu
vertuschen.

Schätzungen zufolge wird jeder fünfte Klick auf eine Online-Anzeige nicht von einem interessierten User, sondern von Software-Programmen, sogenannten Klickbots, generiert, um die Klickraten zu erhöhen. Da
die Anzeigen der Werbekunde über diese Klickraten abgerechnet werden, entstehen ihn dadurch höhere Kosten. Mit der Sammelklage soll auch festgestellt werden, in wieweit die Anzeigenvermarkter für die
Manipulation von Klickraten haftbar gemacht werden können. Diese beteuern, das ihre Systeme solche Manipulationen erkennen würden.

[eMarket Newsletter 06.04.2005]

Google übernimmt Hersteller von Statistik-Tools

Der Online-Suchmaschinenbetreiber Google übernimmt das US-amerikanische Software-Unternehmen Urchin. Über den Kaufbetrag wurde nichts bekannt. Urchin bietet Website-Betreibern und Anzeigenkunden Tools an, mit denen sie Nutzerverhalten analysieren können.

[eMarket Newsletter 29.03.2005]

AFP verklagt Google

Die französische Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) hat in den USA eine Klage gegen die Suchmaschine Google eingereicht. Anlass der Klage sind die Google-News, welche automatisch aus tausenden Quellen (Deutschland ca. 700) zusammengestellt werden. AFP verkauft Nachrichten und Fotos und gibt sie nicht kostenlos ab. Die Google News erfassen Nachrichten und Fotos aus zahlreichen, offen zugänglichen Quellen und verbreiten dadurch – unter anderen – die AFP Nachrichten. Google versicherte daraufhin, alle AFP Nachrichten aus den Google News zu entfernen. Ein Vorhaben das nicht so einfach sein dürfte, weil Google die beanstandeten News nicht direkt von AFP bezieht, sondern diese über Medienagenturen – welche im Web mit den AFP-Meldungen arbeiten – in den News-Bereich aufnimmt.

[at-news.de Newsletter 24.03.2005]

MSN stellt eigene Werbelösung vor

Im Rahmen des sechsten jährlichen “MSN Strategic Account Summit“, stellt MSN eigene Lösungen für Online-Werbung vor. Die erste Komponente der MSN adCenter wird die Paid Search Lösung sein, die derzeit innerhalb einer sechsmonatigen Testphase in Frankreich und Sinagpur getestet wird und auf Keyword Advertising basiert. MSN arbeitet weiterhin mit Yahoo! Search Marketing Solutions (Overture) zusammen. Bestehende Verträge zwischen MSN und Overture wurden im November 2004 bis zum Juni 2006 verlängert. Redner auf dem 6. Gipfeltreffen sind neben Steve Ballmer, Geschäftsführer Microsoft, unter anderem Ted
Meisel, Vizepräsident Yahoo!, sowie Eric Schmidt, Geschäftsführer Google.

Pressemitteilung:

[at-web.de Newsletter 24.03.20059]

Google sucht lokal

Noch in diesem Jahr will der Suchmaschinenbetreiber Google eine lokale Suchfunktion anbieten. Google local werde zuerst in Großbritannien, später dann Deutschland starten, verkündete Google-Deutschlandchef Holger Meyer. Damit folgt Google dem Beispiel des Konkurrenten Yahoo.

[eMarket Newsletter 24.03.2005]

Seekport macht Schluss mit mehrdeutigen Suchanfragen

Bei einer möglichen Mehrdeutigkeit eines Suchbegriffs (Homographen) liefert die Funktion alle erdenklichen Vorschläge zur Konkretisierung der Abfrage. Würde also das Wort ‘Krone’ eingegeben werden, bietet das Programm automatisch ‘Baumkrone’, ‘Zahnkrone’ oder ‘Königskrone’ als Einschränkung an, um die Suche fortsetzen zu können.

‘Wir wollen unseren Usern punktgenaue Treffer liefern. Grundlage dafür ist neben unserer Suchtechnologie auch eine möglichst präzise Suchanfrage. Mit der neuen homographischen Suche haben wir nun auch das Problem mehrdeutiger Suchbegriffe gelöst und machen es dem Nutzer noch einfacher, im Web schnell das gewünschte Dokument zu finden’, erklärt Stefan Karzauninkat, Director Quality Management Europe bei
Seekport. Darüber hinaus hat der Anbieter eine Broschüre mit Tipps für die gezielte Nutzung von Internet-Suchmaschinen entwickelt.

[eMarket Newsletter 16.03.2005]